Multiple-Choice

Multiple-Choice-Prüfungen sind in vielen Kontexten ein beliebtes Mittel, um ein einfaches Instrument mit reduziertem Korrekturaufwand zu erhalten. Denkt man an seine Universitätslaufbahn, so ist bestimmt jeder einmal mit einem solchen Test konfrontiert worden. Häufig dabei eher in einer sehr schwierigen Variante: Nur eine richtige Antwort und die Antwortmöglichkeiten unterschieden sich manchmal nur durch ein Wort (und führten entsprechend zu Missmut unter den Studierenden).

Vergleicht man diese Frage- und Antwortstellungen hingegen mit dem Aufbau der Fragen und Antworten beim schriftlichen Führerscheintest oder auch bei den Theorieprüfungen bei Rettungsschwimmabzeichen, so fällt dabei auf, dass man auch sehr unterschiedliche Antwortmöglichkeiten angeben kann – ohne die Aufgabenstellung in sich zu erleichtern.

Die ideologische Fragestellung, ob man mit Multiple-Choice-Fragen auch Wissen und Verständnis zielgerichtet abfragen kann, würde ich spontan mit “ja” beantworten. Schließlich müsste sonst das Verhalten aller auf unseren Straßen viel schlimmer sein (okay, schlechtes Beispiel, darüber kann man streiten). Und auch unsere Badeflächen werden mit viel Sachverstand und Engagement sehr gut bewacht.

Spannend wird es jetzt, wenn man das Konzept der Multiple-Choice-Fragen mit dem Multiple-Answer-Prinzip – “mehrere Antworten können bei einer Frage richtig sein” – auf die Schule überträgt: Nützt es dem Unterricht?

Wieder müssen wir zwei Situationen unterscheiden: Hat die Lehrkraft die Fragen erstellt oder konnten sogar die Lernenden die Fragen mit den Antwortmöglichkeiten erstellen?

Erstellt man die Fragen selbst, so kann man den Schwierigkeitsgrad und auch die Antwortmöglichkeiten sehr gut aufeinander abstimmen. Erstellen die Lernenden die Fragen, so muss man dies zwingend anschließend überarbeiten und kann dann so erst die Fragen überprüfen, aber auch deren Schwierigkeitsgrad beeinflussen. Gleichzeitig schafft man so aber auch schon Gesprächsanlässe, um sich mit einzelnen Lernenden über deren Wissen anhand der Fragen mit den formulierten Antworten auszutauschen (erste Möglichkeit zur Rückkopplung zwischen Gelehrtem und Gelernten).

Stehen die Fragen schließlich allen als Online-Quiz oder auch als Ausdruck zur Verfügung, so entstehen wiederum Gesprächsanlässe: “Warum ist dort auch diese Antwort richtig?” (zweite Möglichkeit zur Rückkopplung zwischen Gelehrtem und Gelernten)

Was hat sich bisher also für den Unterricht ergeben:

  • zwei Gesprächsanlässe
  • zwei Rückkopplungen
  • weitere Beschäftigung mit dem Lernstoff
  • Fähigkeit sich auch falsche Antworten auszudenken, die aber irgendwie plausibel sein könnten (führt zu spannenden Versuchen der Lernenden und gleichzeitig zu Verknüpfung von Wissen)
  • andere Form der Übung von Wissen mit Hilfe eines Quiz

Insgesamt ergibt sich so also auch auf jeden Fall ein Lernprozess, der am Schluss in eine kleine Aufgabe in der Arbeit\Klausur münden sollte: Kreuzen Sie die richtige(n) Antwort(en) an!

Stellt sich noch die Frage, wie man einen Multiple-Choice-Test im Multiple-Answer-Stil fair bewertet:

  • Keine Frage kann weniger als 0 Punkte geben.
  • Jede Frage ist gleichgewichtet (also hat jede Frage dieselbe Gesamtpunktzahl).
  • Hat eine Frage mehrere richtige Antworten, so wird die Punktzahl für die Frage durch diese geteilt (bspw. pro Frage 2 Punkte, bei Frage 2 gibt es 4 richtige Antworten, dann bekommt jede davon 0,5 Punkte)
  • Falsche Antworten werden passend gewichtet von den gesammelten Punkten abgezogen:
    • bei Frage 2 gibt es 4 richtige Antworten, jede hat also 0,5 Punkte:
      Angekreuzt sind 4 richtige und 1 falsche Antwort: 4*0,5 – 1*0,5 = 1,5 Punkte
    • bei Frage 3 gibt es 2 richtige Antworten, jede hat also 1 Punkte:
      Angekreuzt sind 1 richtige und 2 falsche Antworten: 1*1-2*1 = -1 0 Punkte
    • bei Frage 4 gibt es 1 richtige Antwort, diese hat also 2 Punkte:
      Angekreuzt ist eine falsche Antwort: -2 0 Punkte

Jetzt die spannende Frage: Was kann LANiS-Online dafür tun, das man demnächst Multiple-Choice-Fragen einsetzen kann?

Ursprünglich als “Fünf Fragen”-Modul gestartet, ist es jetzt völlig anpassbar, was die Anzahl der Fragen, die die Lernenden eintragen (ursprünglich: fünf), und die Anzahl der Antwortmöglichkeiten pro Frage (urprünglich: fünf) angeht. … und, ob überhaupt die Lernenden Fragen eintragen dürfen.

Mit dazu kommt die Möglichkeit online die Fragen als Lernende im Quiz-Modus zu erarbeiten und auch diese als gesamte Liste auszudrucken. Für die Lehrenden gibt es noch die Möglichkeit aus den Fragen Hausaufgabenüberprüfungen oder auch “Aufgabe X” zu erstellen, die dann mit in der Klausur\Arbeit bewertet wird. Diese werden natürlich mit Lösungsbogen generiert, so dass die Kontrolle sehr schnell gelingt.

Abschließend kehren wir zurück zur Ausgangsfrage: Nützt es dem Unterricht?

Ich für mich würde es mit einem definitiven “Ja” beantworten: Inhaltliche Rücksprünge, um über Fragen und deren Antworten zu sprechen. Ausblicke bei sehr guten Antworten, die die Person jedoch eigentlich als falsch ansah. Gesprächsanlässe über den Schulstoff ohne Ende.

Wer sich jedoch eine große Zeitersparnis davon erhofft: Zumindest, wenn man die Fragen durch die Lernenden erstellen lässt, ist der Korrektur- und Durcharbeitungsaufwand sehr zeitintensiv. Aber er ist es wert, da man so vieles schon vor der Arbeit\Klausur abfangen kann …

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